| Akupunktur |
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TRADITIONELLE CHINESISCHE MEDIZIN beim älteren Haustier von Carola Reiche (Mitgründerin der Praxis, seit 2007 a. D.)
Nach der TCM zu arbeiten, heißt, mit allen Sinnen zu arbeiten: Sehen, Riechen, Hören, Tasten und evtl. auch Schmecken. - Warum ? - Weil den Chinesen vor tausenden von Jahren nichts anderes übrig blieb. Da es verboten war, den Menschen in seiner Nacktheit zu untersuchen, mussten sich die damaligen Ärzte mit dem behelfen, was am Körper erreichbar war, z. B. mit der Zunge, dem Puls, dem Mundgeruch, den Kot- und Urinausscheidungen. Auf Schlachtfeldern konnten die Ärzte dann auch ins Innere der Menschen blicken, konnten herausfinden, bei welcher Verletzung der Mensch schnell verstarb, bei welchen es Tage dauerte. Durch genaueste Beobachtungen fanden sie Querverbindungen zwischen den physikalischen Begebenheiten der Umwelt und den Funktionsweisen des Körpers,sie erkannten Ähnlichkeiten zwischen den Naturereignissen und den Vorgängen des Körpers und entwickelten so ein System der Gesundheitsvorsorge und Behandlung,das beide Bereiche vereint. Ein guter Arzt verhinderte eine Krankheit und wurde dann auch bezahlt,ein schlechter Arzt ließ die Krankheit zu ... und bekam kein Geld ! Die TCM beinhaltet nicht nur die Akupunktur, sondern auch die Behandlung unserer Patienten mit Kräutermedizin, Ernährungstherapien, Akupressur und gymnastischen Übungen. Es handelt sich um empirisch gefundene Reaktionspunkte der Haut und der tiefer gelegenen Gewebsschichten. Sie sind der Ort der Reizübertragung auf lokale, segment-reflektorische, vegetativ-reflektorische und neuro-endokrine Bereiche. Die gefundenen Punkte liegen in der Regel auf einer linearen Anordnung, Meridiane genannt. Akupunkturpunkte lassen sich in ihrer topografischen Lage mit Hilfe von Hautwiderstandsmeßgeräten exakt lokalisieren, da der Hautwiderstand an den Punkten erniedrigt ist. Zudem finden sich eine gesteigerte Drucksensibilität, veränderter Hautturgor und eine erhöhte thermische Abstrahlung. Folgende Akupunkturwirkungen wurden durch etliche Studien nachgewiesen : -analgetisch (schmerzlindernd) -vegetativ regulierend -sedierend (beruhigend) -psychisch (Serotonin =antidepressiv ) -motorisch (auf die Beweglichkeit) -vasodilatatorisch (gefässerweiternd) -immunstimulierend -endokrin (Sekretion nach innen) Indikationen für die Akupunktur nach der WHO : z. B. akute Sinusitis, akute Bronchitis, Konjuntivitis, Gingivitis, Zahnschmerzen, Gastritis, Kolitis, Obstipation, Kopfschmerzen, Migräne, Ischialgie, Schulter-Arm-Syndrom, Tennisellenbogen, rheumatoide Arthritis u.v.m. Kontraindikationen : Organschäden, Systemerkrankungen, schwere psychiatrische Krankheitsbilder, lebensbedrohliche Zustände. Akupunktur heilt, was gestört ist, Akupunktur heilt nicht, was zerstört ist! Die klassische Akupunkturtheorie kennt etwa 365 Punkte , die auf den Oberflächenmeridianen liegen. In der Praxis werden jedoch nur ca. 150 Punkte regelmäßig genutzt. Typischerweise werden pro Behandlung max. 20 Nadeln gestochen. Akupunkturpunkte werden zur Behandlung als auch zur Diagnostik eingesetzt. Hier liegt ein großer Vorteil der chinesischen Medizin gegenüber der klassischen Schulmedizin: Akupunkturpunkte können Störungen zeigen, bevor die Schulmedizin diese erkennen kann! Wie geht das vor sich ? Wichtig für den Therapeuten ist es, eine Richtlinie zu finden, nach der gearbeitet werden kann. Ich arbeite nach den Wandlungsphasen und den 8 Leitkriterien Hier werden den 5 Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser je ein Organsystem zugeordnet In der TCM hat diese Theorie einen wichtigen Einfluss auf Diagnose, Behandlung, Pathologie und Physiologie. Diese Elemente beziehen sich aber nicht auf tatsächliche Substanzen, sondern sind geistige Konzepte. Das macht es für den westlichen Arzt so schwierig, die chinesische Theorie einzubeziehen, da die westliche Praxis rein auf Materie begründet ist. Erde: Milz/Pankreas, Magen, Zentrum, Spätsommer, süß, Fleisch, grübeln, Mund Metall: Lunge, Dickdarm, Westen, Herbst, Haut, Trauer, Nase Wasser: Niere, Blase, Norden, salzig, Knochen, Haare, Angst, Ohren Holz: Leber, Gallenblase, Osten, sauer, Muskeln, Sehnen, Zorn, Ärger, Augen Feuer: Herz/Pericard, Dünndarm/3 Erwärmer, Süden, bitter, Blutgefäße, Freude, Zunge Das Holz nährt das Feuer und lässt aus der Asche Erde entstehen, die Erde bringt Metalle hervor, die Metalle können den Regen nicht aufnehmen. Flüsse und Seen entstehen, das Wasser ist die Grundlage zum Wachsen des Holzes Werden die 5 Elemente in einem Kreis aufgetragen, versteht man die Zusammenhänge leichter. Der Sheng-Zyklus ist der Zyklus der Schöpfung, auch Entstehungszyklus genannt. Der Ko-Zyklus wird auch Kontroll-Zyklus genannt. Die Elemente finden ihre Entsprechung zum Beispiel in den Emotionen: -Holz : Leber: Zorn und schreien (dem läuft die Galle über ) -Metall: Lunge: Trauer und weinen -Erde: Milz/Pankreas Sorge und singen (frisst aus Frust ) -Feuer: Herz: Freude und lachen (hat sich kaputt gelacht) -Wasser: Niere: Angst und stöhnen (vor Angst in die Hosen gemacht) Feuer-Typ: Solch ein Tier wäre ein sehr freundliches, schon fast hysterisches, unruhiges Wesen. Das Tier neigt dazu, im Schlaf zu zappeln, es wird ihm schnell warm, es mag keine direkte Sonneneinstrahlung, könnte vor Freude urinieren Erd-Typ : Er neigt zu Übergewicht, ist eher folgsam, ausgeglichen, ermüdet schnell; unter Stress treten leicht Erbrechen und Durchfall auf. Er frisst gerne viel und besonders gern süß. Metall-Typ : Eher dünne Geschöpfe mit trockenem Fell und oft Infektionen der oberen Atemwege. Neigung zur Verstopfung, ziehen sich gerne zurück. Wasser-Typ : Ängstliche Tiere, oft sehr durstig, fressen gerne salzig, lieber Trockenfutter als feucht, immer wieder Blasenprobleme. Holz-Typ : Leicht erregbar bis wütend, laut aggressiv, oft gerötete Augen, Neigung zu Allergien, Haut, die stark riecht. Die chinesische Medizin bietet uns aber noch viel mehr Möglichkeiten, eine ordentliche Diagnose zu finden. Yin/Yang.....Kälte/Hitze.....Leere/Fülle......Innen/Außen Die Theorie von Yin und Yang : Gesundheit ist der Zustand von Harmonie zwischen dem Körper und seiner inneren und äußeren Umgebung. Krankheit entsteht, wenn ein Ungleichgewicht in der inneren Umgebung oder zwischen innerer und äußerer Umgebung auftritt, in der Regel, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen . Das Gleichgewicht von Yin und Yang ist ein dynamisch wechselnder Zustand, sehr selten liegen genau gleiche Anteile von Yin und Yang vor. Beispiele für das Yin : Wasser, Eis, fest, passiv, langsam, Nacht, Mond, dunkel, Winter, ventral, chronisch, weiblich. Beispiele für das Yang: Feuer, gasförmig, aktiv, schnell, Tag, Sonne, heiß, hell, dorsal, akut, männlich Auf die Elemente (Organe) in den beiden Zyklen bezogen, bedeutet das, dass die festen, soliden Organe (Zang) z. B. Leber, Milz, Niere, entsprechend Yin, im Gleichgewicht zu den Hohlorganen (Fu), z. B. Gallenblase, Dickdarm, Dünndarm, entsprechend Yang, stehen müssen, damit das System gut funktioniert. Kälte und Hitze: Kälte führt zur Trägheit, der Kälte-Typ mag kein kaltes Wasser, der Körper fühlt sich bes. an den Extremitäten kalt an, sie bleiben cool, werden nicht so schnell, aber dafür dann lang krank. Hitze Typen mögen keine Hitze, sind schnell nervös, reagieren extremer, haben schnell hohes Fieber, die Sekrete sind meist eher stinkend. Leere und Fülle : Leere Typen sind oft müde, lethargisch, haben leise Stimmen, es fehlt die Energie "etwas zu unternehmen". Fülle Typen hat evtl. eine mächtige Stimme, hat viel von allem Möglichen ... Fett ,Muskeln, raumfordernde Bewegungen. Innen und Außen : Hier ist die Lokalisation der Erkrankung gemeint. Außen-Erkrankungen sind i.d.R. akut, von kurzer Dauer und bei guter Immunabwehr ohne Folgen geheilt, z. B. Leichtes Nesselfieber. Innen-Erkrankungen gehen in tiefere Schichten des Körpers und beeinflussen innere Organe, haben z. B. die Immunabwehr überrannt. Innere Erkrankungen können zum Tode führen. Qi ist die Kraft oder Energie, die die Harmonie in jedem lebendigen Körper bestimmt. Es ist die Lebenskraft, die den Lebensprozess aktiviert und unterhält. Zusätzlich müssen noch die äusseren pathogenen Faktoren wie Wind, Hitze, Feuchtigkeit und Trockenheit in die Anamnese aufgenommen werden. Bezieht der Therapeut noch die Zungendiagnostik und die Pulsdiagnostik mit ein, bietet die traditionelle chinesische Medizin eine Vielzahl von Möglichkeiten, zur Diagnose zu kommen. Für mich bedeutet das, einen wesentlich größeren Blickwinkel zu haben. Wie kann ich geriatrischen Patienten helfen ? Zunächst müssen wir uns darüber klar werden, was - chinesisch gesehen - passiert, wenn Tiere älter werden. Es wird für den Körper immer schwieriger, das Gleichgewicht von Yin und Yang zu halten, da z. B. die Nahrung nicht mehr so aufgeschlüsselt werden kann; es wird zu Stagnationen von Blut und Qi kommen, es wird, da das Qi nicht mehr ausreichend gebildet wird, auch zum Mangel von Qi und auch von Blut kommen. Wie sieht das in der Praxis aus? Die Beweglichkeit der Tiere lässt nach, sie sind eher müde, frieren, das Haarkleid wird stumpf und schütter, evtl. zeigen sich Tumore, die Sehkaft und das Gehör werden schwächer usw. Bsp: Ein älterer Hund mit stumpfen Haarkleid leidet unter Blutmangel, da das Blut (Leber) die Aufgabe hat, die Haut zu nähren; hechelt das Tier dann noch stark, besonders Nachts, wird das Tier eine Yin-Leere aufweisen. Leere Hitze, mit evtl. Herzblutmangel. Das Tier wird nachts unruhig sein, das Shen (Geist) ruht nachts im Herzen, aber das Haus (Herz) ist zur Zeit unbewohnbar, deshalb wandert der Geist. Therapie: Blut nähren, z. B. Bl 17 stechen, das Yin auffüllen, z. B. mit MP6, das Shen beruhigen mit He 7 und LG 20. Blutbildende Kräuter füttern, Yin unterstützende Nahrung, z. B. Herz, Leber, Niere je 1 x pro Woche, Hirse, brauner Reis oder Kartoffeln und Grüne Gemüse. Natürlich auch ACE-Hemmer und z. B. Karsivan :-) Bsp : Ein Hund, der schlecht aus dem Lager aufsteht, sich aber dann einläuft, hat Qi-Stagnationen wahrscheinlich im Gallenblasen-Meridian, da dieser um die Hüfte herum verläuft. Ursache hierfür ist oft eine Energie-Mangel-Situation in der Leber !, diese zieht dann vom Yang-Partner Gallenblase die Energie ab. Die Zunge ist aufgrund des Leberblutmangels eher blass, die Gliedmaßen eher kalt, das Tier wirkt steif, die Haut ist eher trocken, die Sehkraft lässt nach (Augen = Öffner der Leber). Die TCM-Diagnose Bi-Syndrom bedeutet sowohl Schmerzhaftigkeit als auch die Einschränkung der Beweglichkeit. Nach TCM dringt Wind, Kälte oder Hitze, oder Feuchtigkeit oder eine Kombination dieser äusseren pathogenen Faktoren in das Meridiansystem ein und führt zu einer Obstruktion von Qi und Blut. Es kommen aber natürlich auch Traumen wie Distorsionen in Betracht. Wir wollen also mit der Akupunktur diese äusseren pathogenen Faktoren beseitigen und den harmonischen Fluss von Qi und Blut (Blutstase) wieder herstellen. Therapie : Akupunktur der betroffenen Meridiane, auch DAWOS-Punkte, Kräutertherapie, z. B. Teufelskralle, keine Milchprodukte, da diese die Schleimansammlung in den Gelenken fördern. Leberblutbildung anregen,Milz und auch Niere stärken über das Futter und Akupunktur ....Mariendistel, Ginseng, Astragalus, evtl. Knoblauch. Bsp: Tumore ,werden in unserer Praxis prinzipiell, soweit möglich, entfernt. In der TCM sind sie das Ergebnis einer länger bestehenden Ernergieblockade auf den entsprechenden Meridianen und/oder in den dazugehörigen Organen .Je chronischer die Blockade,desto größer die Chancen auf einen Tumor. Ist eine Entfernung nicht möglich, kann man versuchen, die entsprechenden Meridiane zu akupunktieren oder ... oft erfolgreicher ... Kräuter einzusetzen ... z. B. Blutbrechende Kräuter cave ! nur was für Spezialisten !! Cheryl Schwartz: Traditionelle Chinesische Medizin für Hunde und Katzen Sonntag Verlag Allen M. Schoen: Akupunktur in der Tiermedizin Urban & Fischer ATF: Arbeitsunterlagen der Sektion -Akupunktur- Schulungskurse 1-4 Dägfa: Grundkurs 1-3 Scripten Giovanni Maciocia: Die Grundlagen der chinesischen Medizin
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