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Tierernährung mal ganz anders
Der folgende Artikel erschien im Neunkerjer Heftche, Ausgabe 4/2005: Carola Reiche war von 1993 bis Ende 2007 als Tierärztin niedergelassen. Leider musste sie aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf aufgeben. Seit dem Jahr 1998 befasste sie sich schwerpunktmäßig mit der traditionell chinesischen Medizin, kurz TCM genannt, und hier besonders mit der Ernährung und der Akupunktur beim Haustier. In der tierärztlichen Praxis sehen wir immer häufiger Fälle von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die sich äußern können durch zum Beispiel Durchfälle, Allergien, Übergewicht, Hautprobleme und vieles mehr. In der Regel wird, entweder nach ausführlicher tierärztlicher Diagnostik oder nach Erfahrungsaustausch mit anderen Tierbesitzern, zunächst einmal das Futter gewechselt. Das ist nicht immer erfolgreich. Die Symptome bessern sich nicht, oder nur leicht, in manchen Fällen erkranken die Tiere stärker. Die Besitzer wechseln oft mehrfach die Futtermarke, in der Hoffnung irgendwann auf das „richtige“ Futter zu stoßen. Eine andere Sichtweise der Tierernährung bietet uns die TCM. Hierbei wird auf das Tier als Individuum eingegangen, das heißt es gibt keine „beste“ Futtermarke, sondern ein, dem jeweiligen Befinden des Tieres, angepasstes Futter. Hierzu ein Beispiel: Wenn Sie, lieber Tierbesitzer, frieren, möchten Sie dann ein kaltes Bier, oder steht Ihnen der Sinn eher nach einer schönen heißen Schokolade oder einem heißen Tee? – Umgekehrt: Schwitzen Sie so richtig stark, würden Sie dann ein heißes Getränk wählen um sich abzukühlen? Von unseren Haustieren erwarten wir, dass sie ganzjährig mit dem gleichen Futter, in der Regel Trocken- oder Dosenfutter, zu Recht kommen, egal ob ihnen der Sinn nach Erwärmung oder Abkühlung steht. In der TCM werden die Nahrungsmittel nach ihren jeweiligen Eigenschaften bewertet, das heißt zum Beispiel, dass Knoblauch, Pfeffer, Fett und andere den Körper nach der Aufnahme erwärmen, schwitzen lassen, Pfefferminztee und Salat zum Beispiel den Körper eher abkühlen, dass Reis und Mais „süß“ sind und Roggen eher bitter. Neigt Ihr Hund zu Ekzemen und trockener, juckender Haut, sollten aus der Sicht der TCM, Nahrungsmittel vermieden werden, die die innere Hitze des Hundes verstärken, wie zum Beispiel Huhn, Lyoner, Knoblauch und anderes. Trockenfutter ist gänzlich ungeeignet, da es unter großer Hitze hergestellt wird und zudem eben „trocken“ ist, das heißt die Trockenheit der Haut noch verstärkt. West Highland White Terrier sind in der Regel wahre Hitzköpfe, sie haben oft ein Leben lang mit schweren Hautproblemen zu kämpfen. Gelingt es diese Tiere mit einem Ernährungsplan nach der TCM herunter zu kühlen, verschwinden die Hautprobleme nicht selten in kürzester Zeit. Hingegen werden beim ruhigeren Labrador eher selten Hautallergien beobachtet, diese kommen dann auch eher mit Trockenfutter zurecht . Um eine individuelle Fütterungsempfehlung für Ihr Tier zu erstellen, muss es sehr genau analysiert werden. In der TCM werden unter anderem auch zunächst „seltsam“ anmutende Fragen gestellt, wie zum Beispiel: Schläft Ihr Tier eher auf hartem oder auf weichem Boden, frisst es hektisch oder bedächtig, riecht es faulig oder ranzig aus dem Maul? Diese Fragen helfen dem/der nach TCM arbeitenden Tierarzt/-ärztin Ihr Tier zu typisieren, um dann die „richtigen“ Nahrungsmittel herauszufinden. Bitte bedenken Sie, dass ein handelsübliches Trocken- oder Dosenfutter oft eine Vielzahl an Fleischsorten, Getreidearten und anderes enthält. Hafer aber wäre zum Beispiel für einen hitzigen Hund grundverkehrt, da dieser das Tier noch weiter aufheizt, nach dem Sprichwort: Ihn hat der Hafer gestochen. |
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